Samstag, 13. August 2016

Wernicke Areal Brodmann 39, Übersetzung deutsch, Lernschwierigkeiten

Das Wernicke Areal ist bekanntlich wichtig für das Sprachverständnis. Am Prozess des Verstehens sind der inferiore Parietallappen und das auditive Assoziationsareal des superioren Temporalgyrus beteiligt. Wenn diese Areale beschädigt sind, bleiben Sprache und Grammatik flüssig, aber die Person wird Unsinniges von sich geben. Sie benutzt (ohne dass es ihr bewusst ist), einen Jargon, der aus inadäquaten und unpassenden Wörtern besteht, mit dem Ergebnis, dass sie ihre eigene Sprache nicht versteht. Die gleichen Probleme beim Sprachverständnis treten auch beim Lesen und Schreiben auf.
Eine Läsion in der Nähe des Wernicke Zentrums im posterioren Teil des linken Temporallappens führt dazu, dass der Betreffende nicht mehr in der Lage ist, Wortbedeutungen zu erkennen.
Schäden der Verbindungen zwischen dem auditiven Kortex und dem Wernicke Areal führen dazu, dass ein Mensch Töne hört, aber wortblind wird. Er kann die Bedeutung eines gesprochenen Wortes nicht mehr erfassen, obwohl ser in der Lage ist, normal zu lesen, zu schreiben oder zu sprechen. 

Schäden an der Verbindung zwischen Wernicke Areal und Broca Areal machen es dem Betreffenden unmöglich, Spracheinheiten zu wiederholen, die mehr als ein Wort umfassen, insbesondere, wenn die Wörter wenig vertraut klingen. Der Grund dafür ist die dann fehlende Möglichkeit, die Bedeutung auf einem Umweg zu entschlüsseln.
Kommunikation zwischen Wernicke und Broca Areal liegen in den superioren longitudinal Faszilien und einem Teil davon, der arcuate Faszilius genannt wird, einem Band mit sehr langen Assoziationsfasern, die in jeder zerebralen Hemissphäre von anterior nach posterior reichen. Diese Fasern führen vom Frontallappen durch den Parietallappen über und unter die Insula und um das Ende des lateralen Sulcus. Einige Äste führen zu den Temporallappen, andere Äste reichen den ganzen posterioren Weg zurück zum Occipitallappen. Diese Kommunikationsverbindung in der linken Hemissphäre ist entscheidend für die Sprache. Es gibt zwei Pfade, einen direkten und einen indirekten, zwischen dem Wernicke und dem Broca Areal. (Catani & Jones, 2005). Eine Beschädigung des direkten Pfades führt zu einer Leitungsaphasie, während eine Beschädigung des indirekten Pfades die Fähigkeit, Sprache zu wiederholen, verschont, aber das Sprachverständnis verhindert. Die Symptome der Leitungsaphasie legen nahe, dass die Verbindung zwischen dem posterioren temporalen Kortex und dem frontalen Kortex eine unersetzliche Rolle für das Kurzzeitgedächtnis von Wörtern spielt, aber auch für Sprachmelodien, die neuartig sind oder das erste Mal gehört werden. Der Arcuate Faszilius verbindet diese beiden Regionen und lässt Informationen hin und her zirkulieren, wahrscheinlich als Tribut an das Kurzzeitgedächtnis.
Bei der Mehrheit der Menschen mit  Musiktaubheit ist die Funktion des superioren Arcuate Fasciluus der rechten Hemissphäre beeinträchtigt. Das kommt von einer Unterbrechung der Verbindung zwischen dem posterior superioren Temporalgyrus und dem posterioren inferioren Frontalgyrus. Der posteriore superiore Temporalgyrus könnet die Quelle dieser Störung sein.
Die Fähigkeit zu verstehen kann bei diesen Patienten durch das Visualisieren dessen, worüber gesprochen wird, verbessert werden. Sie bleiben aber weiterhin unfähig, auch nur die kleinste Reihe beziehungsloser Wörter zu wiederholen. Auf der anderen Seite ist es aber gut möglich, dass sie das Gesagte verstehen und dass sie in der Lage sind, verständig zu sprechen und intelligente Antworten zu geben
Hingegen kann bei manchen Patienten das gegenteilige Problem auftreten. Eine überaktivierte Verbindung zwischen Wernicke und Broca Areal kann zur automatischen Wiederholung von Wörtern oder Phrasen führen, der Echolalie.
Broca Areal (BAs 44, 45)
Wie bereits im Abschnitt über den Frontallappen beschrieben, beeinträchtigt eine Beschädigung des Broca Areals die Fähigkeit, den motorischen Kortex adäquat zu aktivieren, was zu Artikulationsstörungen führt. Schädigungen des Broca Areals und von dessen Assoziationsarealen können dazu führen, dass eine Person in der Lage ist, Gesagtes zu verstehen und dass sie genau weiß, was sie sagen will, aber nicht dazu in der Lage ist, das auch zu tun. Die Person gibt abgehackte Töne und Wörter von sich, so dass der Sprachfluss verloren geht, bis die Sprache sich dem Telegrammstil nähert, also ohne Verbindungswörter (wenn, oder, und, aber) gesprochen wird. Grammatikfehler in der Aussprache und Schreibfehler können beobachtet werden. In einigen Fällen verliert die Person das grammatikalische Verständnis bei Geschriebenem oder Gesprochenem. Es zeigt sich oft ein Problem bei den Präpositionen. Die Broca Aphasie wird normalerweise von motorischen Ausfällen (rechtsseitiger Hemiparese und rechtsseitige Gesichtslähmung) begleitet
Beschädigungen der Verbindungen des umgebenden Kortex zu den Spracharealen können zur Unfähigkeit der Person führen, Sprache zu verstehen. Wie auch immer, die Person kann weiterhin Wörter wiederholen oder bekannte Phrasen vervollständigen. (z.B. “Rosen sind rot...”).

BA 39: Angularer Gyrus, Einleitung


Brodmann Areal 39 ist die Region des Parietallappens die an der occipital-parietal-temporalen Verbindung hinter (posterior zu) der Lateralspalte liegt. Sie befindet sich unmittelbar posterior zum supramarginal Gyrus. Sie ist beteiligt an räumlich visuellen Sprachaufgaben und deshalb an der visuellen Wortwiedererkennung. Der linkshemissphärische Angulargyrus wird zum Lesen benötigt. Beschädigungen dieses Areals können zur Alexie führen (der Unfähigkeit zu lesen) oder aber zur Agraphie (der Unfähigkeit zu schreiben). In der dominanten Hemissphäre ist diese Region wichtig zu Generierung von Sätzen und zur verbalen Kreativität. Sie ist an Netzwerken höhere exekutiver Funktionen beteiligt wie denen der schlussfolgernden Begründung. Dieses Areal ist auch für arithmetische Aufgaben und numerische Fakten notwendig. (Beachten sie, dass BA 44 auch für Arithmetik wichtig ist.)
Lernschwierigkeiten
Dysfunktionen dieses Areal können auch zu einer ganzen Reihe von Lernschwierigkeiten führen. Das kann Probleme beim Rechnen (auch durch das Intraparietale Sulcus Areal) bei der links rechts Unterscheidung und auch bei der technischer Kompetenz beinhalten. Diese Menschen könnten Symptome der Agraphie zeigen, einschließlich der Buchstabenwiederholung, der Vertauschung der Reihenfolge von Buchstaben, Probleme haben beim Kreuzen von Linien und beim Kopieren von Bildern. Auch Symptome der Apraxie (Unfähigkeit eine erlernte Bewegung auf Kommando auszuführen) können auftreten, wie Dysphasie, inklusive der Unfähigkeit Wortbedeutungen zu verstehen (ein Problem der semantischen Aphasie), Problemen der Objektbezeichnung oder der Interpretation von Bildern z.B. Comics. Die Identifikation von Umrissen, Größe und Textur kann erschwert sein. Einige Betroffene haben allgemeinere Probleme. Sie sind oft ungeschickt, besitzen ein schlechtes Orientierungsgefühl, malen schlecht und haben Probleme beim Buchstabieren. Alle aufgeführten Lernschwierigkeiten, die hauptsächlich von der dominanten Hemissphäre stammen, können auch die nichtdominante Hemissphäre betreffen. Beschädigungen dieses Areals und ebenfalls von BA 40 führen zum Gerstmann Syndrom, das bereits gekennzeichnet wurde als Problem in vier Bereichen: Schreiben (Agraphie oder Dysgraphie), Rechnen (Dyskalkulie) Fingererkennung und Benennung (Finger Agnosie) und der Links-Rechts Unterscheidung. Tatsächlich zeigen die meisten Patienten nicht alle vier Symptome. (Zur detaillierteren Ausführung: Mayer, Martory, Pegna, Landis, Delavelle & Annoni, 1999).

In Bezug auf autistische Spektrumsstörungen ist interessant, dass dieses Areal Bedeutung für die Funktion der „Theory of mind” besitzt, der Fähigkeit sich die Beweggründe und Emotionen einer anderen Person vorzustellen. Die Funktionen dieses Areals beinhalten auch das räumliche Fokussieren, Handlungsabfolgen und die Erfassung des situativen Kontextes.
Action authorship – die Beurteilung, ob eine Handlung von einem selbst oder einem anderen begangen wurde - ist ebenfalls eine Funktion dieses Areals. Nach Notenblatt musizieren ist eine weitere Funktion (hauptsächlich eine der nicht dominanten Hemissphäre) Diese Region ist auch beteiligt an reflexiver Selbstwahrnehmung und daran, Dinge einmal anders zu betrachten als andere, einer Funktion des Default Netzwerkes.

Wenn es eine Verbindungsunterbrechung zwischen dem linken angularen Gyrus und dem linken visuellen Kortex gibt, können Wörter nicht auf die übliche Weise erkannt werden. Tatsächlich kann ein intakter rechter visueller Kortex trotzdem dafür sorgen, dass Buchstaben erkannt werden und dass diese Information über das Corpus Callosum zu den Sprachregionen der linken Hemissphäre geleitet wird. Es ist dem Betroffenen dadurch möglich, die Buchstaben richtig zu benennen. Wenn der Patient die Folge der Buchstaben laut ausspricht, kann er das Wort auditiv rekonstruieren. Vorsprechen kann ebenfalls helfen. Obwohl der Betreffende nicht leise lesen kann, ist es ihm eventuell möglich, ganz langsam laut zu lesen und dadurch zu verstehen, was er liest. Er ist oftmals dazu in der Lage,  Sätze und Wörter richtig abzuschreiben

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